Sardinien per Fahrrad

Sardinien MeerblickGastbeitrag von Doro Staub: Sardinien, einmal rundherum. Vom Sofa aus klingt das toll: viel Meer, Hügel, ein Campingplatz am nächsten. Und Italien. Mehr brauche ich nicht für mein Glück.
Stimmt. Bloss ist Sardinien nicht hügelig, sondern bergig. Wunderschön, aber mach dich mal auf etwas gefasst, wenn du da Rad fährst.

 

La Maddalena und La Caprera

Es ist Mitte September und noch mächtig heiss, als ich vom Fährhafen Olbia aus Richtung Norden starte.

Beim Einfahren auf der wundervollen Insel la Caprera treffe ich den Norditaliener Nicola. Sein Fahrrad ist bepackt, als würde er sein Leben nur noch pedalend verbringen. Aber nein, er ist bloss zehn Tage unterwegs, raketenschnell. Von Trento nach Nizza, mit der Fähre nach Korsika, über diese bergige Insel und schliesslich nach Sardinien. Ich freue mich immer, wenn ich Italiener beim Radreisen sehe. Davon gibt es kaum welche. Dabei haben sie so ein grandioses Fahrrad-Land.

Ein Besuch der Insel La Caprera lohnt sich übrigens sehr, sie ist ruhiger als ihre grössere und bekanntere (ebenfalls prächtige) Schwester-Insel La Maddalena.

Costa Paradiso

Sardinien StrandVon einem Freund habe ich den „Geheimtipp“ Costa Paradiso bekommen. Er ist Autofahrer. Und ich mache mir erst auf halbem Weg bewusst, was für eine Mörderstrasse ich da hinunterbrause. Steil. Und lange. Hinunter ist ja alles noch fröhlich. Und unten: ja, absolut jede Mühe wert. Es gibt da einen kleinen Fussweg dem Meer entlang, und nach 20 Minuten erreichst du einen Strand, da staunst du bloss noch, so prachtvoll ists da.

Die Strasse hinauf ist dann nicht mehr lustig. Steil ist doof mit meiner schweren Fuhre. An dem Tag habe ich schon 80 km Auf und Ab in den Beinen, es ist heiss, und ich bin noch nicht so ganz auftrainiert für die Reise. Ich quäle mich also da hinauf, verfluche meine Idee, mit dem Fahrrad Sardinien zu umrunden, beschimpfe innerlich die Autos, die mich überholen, wie auch die Ingenieure, die eine so steile Strasse gebaut haben.
Endlich zurück auf der Hauptstrasse kommts noch bunter: Anstatt eines gemütlichen Ausrollens auf den letzten zehn Kilometer bis zum Campingplatz: ein Pass! Das kann passieren, wenn man die Karte nicht genau studiert…

L’Asinara

Bist du einmal auf Sardinien, dann geh auf l’Asinara, ganz im Nordwesten. Die kleine Insel steht unter Naturschutz, und Touristen dürfen nicht mit ihren eigenen Autos darauf herumfahren. Deswegen ist es paradiesisch zum Radfahren. Teilweise sind auch die Strände unter Naturschutz, an anderen Orten kannst du aber durchaus baden.
Besonders angetan haben es mir die vielen Esel, die halbwild auf l’Asinara leben. Daher auch der Name: asino heisst Esel auf Italienisch.

Mit einer kleinen Fähre erreichst du die Insel ab Stintino in einer halben Stunde. Dann hast du den Tag zu deiner Verfügung, und abends holt dich die Fähre wieder ab.

Von Alghero nach Bosa

Als ich Alghero nach einer Woche erreiche, bin ich bereits gut in Form. Gut so, denn die Panoramastrasse zwischen Alghero und Bosa ist ein ausgewachsener Pass.
Als ich Alghero verlasse, herrscht stürmisches Wetter. Herbstanfang. Wilde Wolken jagen über den Himmel, das Meer wütet. Spektakuläre Ausblicke bieten sich immer wieder auf den rund 50 Kilometern.
Kaffee und Kuchen auf der Piazza von Bosa sind dann aber auch wohl verdient.

Zug von Oristano nach Cagliari

Aus Zeitgründen muss ich den Südwesten auslassen. Von Oristano bis Cagliari nehme ich den Zug. Der Fahrrad-Transport in italienischen Zügen ist ja immer wieder ein Erlebnis, umso erfreuter bin ich, als ich in Cagliari wieder selber pedalen darf.
Verlässt du Cagliari nach Osten, fährst du am 8 Kilometer langen Strand von Poetto entlang. Alles Radweg, sehr gemütlich.

Im Südosten

Damit du nicht übermütig wirst, folgt darauf ein hässliches Stück mit höllisch viel Verkehr, und dann: die Prachtsstrasse bis Villasimius. Perfekt zum Radfahren: ein Auf und Ab mit permanentem Blick aufs türkisfarbene Meer. Ich kriege mich fast nicht ein, so grandios sind die Ausblicke.
Weniger spannend finde ich dann die hochgelobte Costa Rei. Zwar wäre das Meer auch hier bezaubernd, bloss siehst du es nicht, weil alles zugebaut ist. Etwas nördlich der Costa Rei gibt es aber Campingplätze mit eigenem Strand. Da lasse ich es mir gerne gut gehen.

Brems-Sorgen auf dem Pass von Tortoli nach Dorgali

Jetzt gehts nochmals in die Beine: bis auf 1000 Meter über Meer führt die Strasse von Tortoli nach Dorgali. Selbstverständlich von Meeresniveau aus. Absolut lohnenswert. Richtig gebirgig ists, eine Hochebene vermittelt mir das Gefühl, weit weg von Europa zu sein. Wilde Schweine und Esel tummeln sich in der Weite.

Auf dem Pass komme ich mit drei sardischen Bikern ins Gespräch. Sie sind so freundlich und schauen sich mein ewiges Sorgenkind an: die Bremsen.

Mein Fahrrad (Simpel Wegwärts Pro) ist grundsätzlich eine Wucht. Wir haben schon Tausende von Kilometern zusammen gemeistert ohne je ein Problem gehabt zu haben. Einziger Kritikpunkt: die Bremsbeläge sind extrem schnell verbraucht.

Auf diesem Pass also bin ich leicht besorgt, wie ich denn jetzt ohne Beläge wieder heil hinunter komme. Die drei Jungs knien zu dritt vor meinem Rad und richten, was noch zu richten ist.

Tropfnass auf die Fähre

Am letzten Tag erwischts mich: Dauerregen. Auf den 100 Kilometern von Orosei bis Olbia gibt es keine Minute Regenpause, es prasselt ununterbrochen. Der erste ernst zu nehmende Regen seit dem Frühjahr, höre ich.
Du kannst dir ja vorstellen, wie ich am Abend aussehe, als ich auf der Fähre rolle: tropfnass, erledigt und frierend.
Aber glücklich, drei so tolle Wochen erlebt zu haben.

Sardinien ist auf jeden Fall eine Radreise wert!

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Doro Staub ist Bloggerin und Webtexterin. Auf ihrem Blog Miss Move schreibt sie über Fahrrad-Reisen und anderes Bewegendes aus dem Leben.

Copyright Bilder von Sardinien auch Doro Staub

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